Bereits fast 1000 Zahnärzte gegen neuen HVM

23/8/18
Praxisführung

Bereits fast 1000 Zahnärzte in Bayern erklären schriftlich die Ablehnung des neuen HVM

Fulminanter Rücklauf eines Aufrufs des Berufsverbands " Zukunft Zahnärzte Bayern e.V."  

 

Am 28. April hat die Vertreterversammlung der KZVB mit der Mehrheit der Fraktionen des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte den vom Vorstand der KZVB entwickelten neuen Honorarverteilungsmaßstab beschlossen.

Mit dem Hinweis "vertraulich, geheim" hat der FVDZ- Vorstand der KZVB vor der Abstimmung eine breite standespolitische Diskussion des neuen HVM verhindert.

 

Der neue HVM erfüllt keines der angestrebten Ziele

 

Mit dem neuen HVM wurde keines der angestrebten Ziele erreicht.

Der neue HVM bringt keine Planungssicherheit für die KCH Behandlung, unterschiedliche finanzielle Belastung der Praxen, keine Darstellung der finanziellen Unterausstattung zahnärztlicher Behandlungen durch einzelne Krankenkassen und besonders, die Solidarität und der Zusammenhalt der bayerischen Zahnärzte wird fundamental belastet.

 

Zukünftig legt der Vorstand der KZVB Budget und Puffergrenzen fest

 

Der neue HVM unterscheidet sich grundsätzlich vom alten HVM- mit den alle Zahnärzte gleichzeitig und gleichermaßen betreffenden Puffertagen- darin, dass zukünftig individuelle Praxisbudgets für jede einzelne Praxis gebildet werden.

Grundlage der Berechnung der Einzelbudgets sind die Einteilung der Behandlungen in drei Gruppe: U -für alle Untersuchungsleistungen und diagnostische Leistungen (z.B. Röntgen-leistungen), Gruppe B - im wesentlichen für konservierend - chirurgische Leistungen und Gruppe K- im wesentlichen kieferchirurgische Leistungen. Der Vorstand der KZVB legt zukünftig im vor hinein für jede Gruppe und jeder Krankenkasse einen Budgetbetrag fest. Pro Behandlungsfall (im Quartal) kann nur ein Budgetbetrag zugeordnet werden. Bei Behandlungen aus mehreren Fallgruppen wird der Betrag der höheren Fallgruppe berücksichtigt.

Für jede Praxis wird dann bei der Abrechnung die von der KZVB ermittelte Anzahl an Behandlungsfällen mit dem jeweiligen Budgetbetrag multipliziert. Die Gesamtsumme dieser Budgetbeträge ergibt das Gesamtbudget der Praxis. Die Summe aller Budgetbeträge jeden Quartals bildet das kalenderjährige maximal garantiertes Abrechnungsvolumen der einzelnen Praxis für die KCH Leistungen.

 

36 Fallgruppen allein in innerbayerische Krankenkassen 

Nun wird dieses oben beschriebene Budget für jede einzelne Krankenkasse oder Krankenkassenverbänden gebildet. Allein für die 12 innerbayerischen Krankenkassen oder Verbände werden somit jeder einzelnen Praxis entsprechend der 3 Fallgruppen (U, B, K) in jedem Quartal 36 individuelle Budgets zugeordnet.

 

Keine Planungssicherheit - 365 Puffertage

 

Das Ziel der Planungssicherheit wird deutlich verfehlt. Kein Zahnarzt weiß am Quartalsbeginn, wie viele Patienten der verschiedenen Krankenkassen noch zur Behandlung kommen und besonders, welcher Behandlungsbedarf bei ihnen besteht. Kein Zahnarzt kann somit zu keiner Zeit im Jahr sicher sein, dass seine berechneten Einzelbudgets bei einer Krankenkasse in jeder einzelnen Fallgruppe für seine Patienten über - oder unterschritten wird.

Wird beispielsweise das Budget eines Versicherten (Gruppe B = 146€) einer seltenen Krankenkasse wegen eines erhöhten Behandlungsbedarfs (z.B. multiple Füllungen = 946€) im ersten Quartal um 800€ überschritten, und kommt kein weiterer Patient dieser Krankenkasse (oder auch nur einige mit erhöhtem Behandlungsbedarf) dann ist das Gesamtbudget am Ende des Jahres um 800€ überschritten. Bei einer Überschreitung abgerechneter Leistungen der Gesamtvergütungsobergrenze aller Zahnärzte in Bayern kann dieser Betrag möglicherweise gänzlich von der KZVB zurückgefordert werden. Teilweise könnte die Budgetüberschreitung nur ausgezahlt werden, wenn der KZVB Vorstand die eigene Budgetgrenze (garantierter Auszahlungsbetrag) so gering festsetzt, dass damit das Gesamtbudget nicht überschritten wurde. Das geht aber zu Lasten aller Zahnärzte.   

Die Berechnung der individuellen Budgetausschöpfung aller Krankenkassen bei mindestens 36 Fallgruppen fordert außerdem von jeder Praxis ständig einen enormen Zeitaufwand.

 

 

Kleine Praxen und Überweiserpraxen werden benachteiligt

 

Das Risiko mit Rückforderungen wegen individueller Budgetüberschreitung von der KZVB belastet zu werden steigt bei kleinen Praxen an, weil aufgrund der geringen Fallzahlen bei einzelnen Krankenkassen nicht ausreichend Behandlungsfälle abgerechnet werden, die den Durchschnitt des Behandlungsvolumens senken.

Auch Überweiserpraxen können nicht Leistungen steuern, indem sie angefragte Leistungen verschieben, wenn das Budget bereits ausgeschöpft ist.

Leistungen der aufsuchenden Betreuung wurden vom Vorstand in die Fallgruppe B eingeordnet. Bereits die Abrechnung der Basisleistungen der aufsuchenden Betreuung schöpft das Budget fast vollständig aus.Wie sollen Behandlungen neben diesen Leistungen zukünftig erfolgen können?  

 

Darstellung des finanziellen Mangels nicht mehr gegeben

 

Honorarverteilung und deren Umsetzung werden nur dann notwendig, wenn die einzelne Krankenkasse für den betreffenden Behandlungsbereich nicht ausreichende finanzielle Mittel für die Zahnärzte zur Verfügung stellt. Dies erfolgte in der Vergangenheit regelmäßig bei der AOK Bayern, weil deren Versicherte mehr zahnärztliche Leistungen in Anspruch genommen haben, als die AOK dafür bereitgestellt hatte. Folge: Honorarverteilung. 

Kein Honorarverteilungsmaßstab ist schön oder gerecht, aber in diesen Fällen leider unumgänglich.

Der alte HVM mit den Puffertagen machte nach außen hin deutlich, in welchem Maße eine Krankenkasse für weitere Leistungen der Zahnärzte keine Mittel mehr zur Verfügung gestellt hat. Das hatte insbesondere die AOK Bayern geärgert, weil Allen, auch ihren Versicherten, klar wurde, dass bei dieser Kasse - im Gegensatz zu anderen Kassen- für zahnärztliche konservierende Behandlungen das Geld ausging. In erster Linie zeigte sich hier regelmäßig, dass die AOK einen deutliche geringeren Pro Kopf Beitrag für die zahnärztliche Behandlung für ihre Versicherten zur Verfügung stellte, als andere Krankenkassen. 

Das neue individuelle Praxisbudget macht diesen Mangel der Finanzen nicht mehr sichtbar. Zum einen verteilt sich das Budgetproblem auf 3 Fallgruppen, in denen der finanzielle Mangel zukünftig getrennt ausgewiesen werden müsste, zum anderen besteht das Problem in jeder Praxis völlig unterschiedlich.  

Das Budgetproblem wird auf den einzelnen Zahnarzt abgewälzt. Die AOK Bayern wird sich freuen, nicht mehr am Pranger zu stehen.

 

Spaltung der bayerischen Zahnärzteschaft

 

Während der alte HVM alle Zahnärztinnen/e gleichermaßen betraf, werden im Gegensatz dazu zukünftig für jede Zahnarztpraxis viele individuelle garantierte Abrechnungsvolumina berechnet. Dies ist von der Fallzahl und der Zuteilung der Behandlungsmaßnahmen in die mit unterschiedlichen Budgetbeträgen ausgestatteten Fallgruppen je Krankenkasse verschieden hoch. Werden die Budgets in Gruppe U beispielsweise mit 50 € berechnet und die in Gruppe B mit 146 € so kann es betriebswirtschaftlich sinnvoll sein, mit einer Leistung der Gruppe B den höheren Budgetbetrag für diesen Fall zu erreichen. Möglichweise werden zukünftig Strategien entwickelt, nicht unmittelbar notwendige Behandlungen der Gruppe B zu teilen und in einem Folgequartal vorzunehmen. Dies führte in dem genannten Fall zu einem höheren garantierten Abrechnungsvolumen. Diese Maßnahmen führen aber insgesamt zu höheren Gesamtkosten. Die für das Kollektiv aller bayerischen Zahnärztinnen/e ausgehandelte Vergütungsobergrenze würde damit schneller ausgeschöpft und es müssten folglich durch die Vorstände der KZVB die Budgetgrenzen der genannten Gruppen gesenkt werden. 

Daher haben die Zahnärzte durch den Wegfall der Puffertage keinen Euro mehr in der Kasse, arbeiten ständig ohne Planungssicherheit und wissen erst im Folgejahr, wie hoch letztlich die Rückforderungen der KZVB für die Krankenkassen sein wird, bei denen die Gesamtvergütung nicht ausgereicht hatte.

 

Problem: Arbeitsverträge angestellter Zahnärzte mit Umsatzbeteiligung

 

Der neue HVM kann in einzelnen Fällen, wie das Beispiel oben zeigt, zu erheblich höheren Rückforderung der KZV aufgrund individueller Budgetüberschreitungen führen, als der alte HVM mit den Puffertagen. Diese waren zeitlich begrenzt insofern individuell steuerbar, indem nicht unbedingt notwendige Maßnahmen verschoben werden konnten. Der Vertragspunktwert wurde bei Überschreitung der Gesamtvergütungsobergrenze prozentual für alle abgerechneten Leistungen gleich herabgesetzt. Das Risiko und die finanziellen Rückforderungen verteilten sich auf alle Zahnärzte gleichermaßen und führten deshalb zu relativ geringen Rückforderungen gegenüber der einzelnen Praxis.

Mit dem neuen HVM können einzelne Praxen individuell mit erheblich höheren Rückforderungen konfrontiert werden.

Viele Praxisinhaber werden daher die Verträge mit Umsatzbeteiligung prüfen müssen.

Wird die geleistete Arbeit dem Angestellten entsprechend entlohnt und kommt es dann im Folgejahr zu erheblichen Rückforderungen wegen individueller Budgetüberschreitung der Leistungen des umsatzbeteiligten Angestellten, kann das für den Praxisinhaber doppelt unangenehme Folgen haben. 

 

 

 

Ausreichendes Budget wegen mangelhafte Vergütungsverhandlungen der KZVB Vorstände 

 

Im Jahr 2017 hatte der FVDZ geführte Vorstand der KZVB das seit Jahrzehnten schlechteste Vergütungsergebnis mit der AOK Bayern verhandelt- nämlich eine Punktwerterhöhung um gerade mal 1,25% p.a (bei einer Grundlohnsummensteigerung von 2,5 %) trotz einer Anhebung der Gesamtvergütungsobergrenze um 2,5 %. Die Folge war ein Honorarverlust der bayerischen Zahnärzte von ca. 8 Mio. € für 2017. Natürlich reicht das Budget leichter aus, wenn die Leistung der bayerischen Zahnärztinnen und Zahnärzte schlecht bezahlt werden, die Gesamtvergütungsobergrenze aber steigt. Die 8 Mio. € Honorarverluste aus 2017 fehlen natürlich auch bei den Vergütungssteigerungen der Folgejahre.

Es ist absurd, wenn die Vorstände der KZVB damit prahlen, dass das Budget 2018 ausreicht, nachdem sie zu Lasten der Zahnärzteschaft für 2017 so geringe Honorarsteigerungen abgeschlossen hatten.  

 

HVM: Ziel verfehlt

    

Es ist auch falsch, dass ein KZVB- Vorstand das Ziel einer möglichst hohen Ausschöpfung der Gesamtvergütungsobergrenze fordert. Die Vorstände der KZVB müssten stattdessen im Rahmen der Vergütungsverhandlungen möglichst hohe Punktwertsteigerungen und die entsprechende Anhebung der Gesamtvergütungsobergrenzen bei den Krankenkassen für die Zahnärzteschaft erreichen.

Wir Zahnärzte wollen sach- und fachgerecht arbeiten und diese Leistung gut bezahlt bekommen. Wir wollen nicht schlecht honorierte Leistungen in höherer Anzahl erbringen, um das Budget und die Gesamtvergütungsobergrenze auszuschöpfen.

 

 

ZZB und viele gemeinsame Listen für die Wahlen setzen sich gegen diesen HVM ein

 

Mit diesem HVM hat der amtierende Vorstand der KZVB erneut seine krankenkassenfreundliche Politik unter Beweis gestellt. Auf Anfrage von ZZB haben viele Zahnärzte schriftlich ihre Ablehnung des neuen HVM erklärt. Bis zur Wahl rechnet ZZB mit weiteren Unterstützern.

ZZB und die regionalen Listen werden sich mit aller Kraft für die Abschaffung des neuen HVM einsetzen.

Unterstützen auch Sie ZZB mit Ihrer Wahlentscheidung 2018.

 

 

 

 

Dr. Armin Walter

Vorsitzender ZZB

 

 

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