Bewertung der aktuellen Vergütungsverträge

13/5/21
Standespolitik

Aktuelle Vergütungsverträge mit den Krankenkassen

Welche Auswirkungen für bayerische Zahnärztinnen und Zahnärzte?

 

Keine Transparenz

Wenige Tage vor der VV der KZVB im Januar 2021 wurden endlich die Vergütungsverträge der KZVB auch der letzten Jahre erstmals auf der Homepage veröffentlicht. Längst überfällig wurde die Veröffentlichung der Verträge von der Berufsvertretung ZZB mehrfach angemahnt und durch Anträge auf den VVen immer wieder gefordert. Warum betreibt die KZVB diese Geheimniskrämerei?  Gibt es etwas zu verbergen, Herr Berger? Völlig unverständlich ist auch die Weigerung, konkrete Zahlen zu der Gesamtvergütungsobergrenze gegenüber den Delegierten der VV zu beantworten- so geschehen auf der letzten Vertreterversammlung der KZVB.  Das hat mit der versprochenen Transparenz nichts mehr zu tun. Jede Zahnärztin und jeder Zahnarzt muss erfahren können, was mit den Krankenkassen vereinbart wurde. Es ist auch wichtig, den Ausschöpfungsgrad der Gesamtvergütungsobergrenzen zu kennen, um einschätzen zu können, wann der HVM greift.  

Was wurde mit den Krankenkassen vereinbart?

Mehrere Vergütungsverträge mit den gesetzlichen Krankenkassen wurde von der KZVB Führung nicht nur für das Jahr 2020 abgeschlossen, sondern bereits für 2 oder 3 Jahre.

War das klug?

Die hohen und zu erwartenden Kosten, die durch Hygienemaßnahmen aufgrund der Covid- 19 Pandemie in den zahnärztlichen Praxen anfallen, können nicht mehr für Punktwertsteigerungen in Verhandlungen der Jahre 2021 und 2022 eingebracht werden. Dies ist ein nicht unerheblicher Nachtteil der Verträge. Besonders nachdem die Bundes KZV die Aufhebung des Gesamtbudgets für die Jahre 2021 und 2022 vereinbaren konnte, hätte dieser Spielraum für eine angemessen Honorierung der gestiegenen Kosten genutzt werden können.  

Covid- 19 Zuschlag

Die KZVB hat es nicht geschafft, die Covid -19 bedingten Mehrkosten in den Praxen in die Verhandlungen erfolgreich einzubringen, obwohl der KZVB Vorstand gerade dies angekündigt hatte.  

Lediglich für das Jahr 2020 wurde von der KZVB ein Covid- Zuschlag von 0,13 % auf die Punktwerte mit der AOK Bayern vereinbart. Reicht das aus? War das klug? Warum wurde nicht der Punktwert insgesamt angemessen erhöht?

Bei einem Scheindurchschnitt von ca. 100 € im Quartal bedeutet dieser Zuschlag 13 Cent für jeden Patienten. Die tatsächlichen Kosten dürften durch die umfassenden Hygienekonzepte, die gestiegenen Kosten für Hygieneausrüstungen, die erforderlichen Separationsmaßnahmen in den Praxen sowie der zeitintensive Informationsbedarf der Patienten um ein Vielfaches höher liegen.

Hier sind die vertraglichen Vereinbarungen in Bayern ungenügend. Zudem wurden der corona- bedingten Mehrkosten mit der AOK Bayern nur auf das Jahr 2020 beschränkt und erhöhte Punktwerte für die Jahren 2021 und2022 nicht vereinbart.

Was die Bayern nicht erreicht haben, hat zumindest die Bundes-KZV geschafft. Deutschlandweit zahlen die Krankenkassen den Vertragszahnärzten einen einmaligen pauschalen Zuschlag von maximal 275.000.000 €. Dies entspricht bei einem Abrechnungsvolumen für KCH und Par Leistungen von ca. 9.100 Mio. im Jahr 2019 einem Zuschlag von 3 %. Diese Gelder müssen allerdings noch verteilt werden. Dies wird aufgrund der unvorteilhaften Vergütungsvereinbarung mit der AOK- Bayern für bayerische Zahnärztinnen und Zahnärzte nicht vollständig zu erfüllen sein. In der Vereinbarung mit dem GKV Spitzenverband wurde in § 4 eine Doppelfinanzierung ausgeschlossen.

Hier heißt es:

Soweit für die Krankenkasse in der jeweiligen Vergütungsvereinbarung oder in sonstigen Vereinbarungen bereits Regelungen zur Abgeltung der in § 1 genannten besonderen Aufwände für den Zeitraum vom 01.04.2020 bis zum 30.06.2021 getroffen worden sind oder diese der jeweiligen KZV auf sonstige Weise mit entsprechender Zwecksetzung abgegolten wurden, kann sie diese Aufwände von dem nach § 3 zu zahlenden Betrag in Abzug bringen.“

Das bedeutet, dass der Covid- 19- Zuschlag, den die KZVB-Führung mit der AOK Bayern abgeschlossen hat, von den Zuschlägen der Bundes- KZV der bayerischen Zahnärzteschaft abgezogen werden. Wenn eine Punktwerterhöhung den Anteil der Corona bedingten Mehrkosten integriert hätte, träte diese Problem nicht auf.

Die nachfolgend besprochenen Verhandlungsergebnisse mit den einzelnen Krankenkassen/ Verbänden beziehen sich die in der Regel auf die Bema-Teile 1-4.

AOK Bayern

Die KZVB hat es trotz der bekannten Mehrkosten wegen der Coronapandemie nicht geschafft, die Punktwertsteigerung mit der AOK Bayern zumindest in Höhe der Grundlohnsummensteigerung (GLS) zu vereinbaren. In 2020 bleibt die Steigerung mit 3,2 % (plus 0,13 % Covid -Zuschlag) unter der GLS von 3,66 %, für 2021 und 2022 wurden bereits erneute Abschläge bei den Punktwertsteigerungen von 0,35% auf die GLS vereinbart.  Die Vorgänger der amtierenden KZVB Vorsitzenden konnten in ihren letzten Vergütungsvereinbarungen z.B. mit der AOK Bayern erfolgreich mindestens eine Punktwerterhöhung entsprechend dem GLS Wert erreichen: 2,95% in 2016, 2,53% in 2015 und 2014 sogar einen um 0,42 % höheren Wert als die GLS – nämlich 3,23 % Punktwertsteigerung bei einer GLS von 2,81%.

Anders als von den amtierenden Vorsitzenden der KZVB geäußert, stellt die GLS keineswegs eine fixe Obergrenze für Honorarerhöhungen dar. Mit guten Argumenten, wie aktuell den Pandemiekosten, könnten Ergebnisse auch oberhalb der GLS erreicht werden.

Ersatzkassen: für 2020 Punktwertsteigerung und Gesamtvergütungsobergrenze: +3,2% (GLS 3,66%). Für 2021 Punktwertsteigerung und Gesamtvergütungsobergrenze: +2,28%, aber nicht auf den Wert von 2020, sondern auf einen reduzierten Wert. Das entspricht einer Honorarerhöhung zum Jahr 2020 nur um 2,15%!!! (GLS 2021:2,53%), für 2022 Punktwertsteigerung und Gesamtvergütungsobergrenze:  + GLS – 0,25 %.

Mit der IKK classic wurde eine Punktwerterhöhung für 2020 lediglich um 3,28 % erreicht bei einer Erhöhung der Gesamtvergütungsobergrenze um nur 2,28 %; für 2021 Gesamtvergütungsobergrenze nur + 1,8 % bei 2,3% Punktwertsteigerung, aber nicht bezogen auf den Punktwert von 2020. Zum Punktwert für 2020 erhöht sich der Punktwert für 2021 lediglich um 2,22%. Honorarkürzungen wegen unvollständigem Fortbildungsnachweis werden an die IKK classic bezahlt.

Knappschaft: für 2020 Punktwertsteigerung und Gesamtvergütungsobergrenze: + 3,34 %.

LKK: für 2020 Punktwertsteigerung und Gesamtvergütungsobergrenze:  +3,20%.

Mit den BBKen wurden noch keine Vereinbarung abgeschlossen. Obwohl Vertragsverhandlungen originäre Aufgabe der Vorsitzendender KZVB sind hatte sich der Vorstand der KZVB die Anrufung des Einigungsausschusses nicht getraut, sondern hierzu erst mal ein Mandat der VV der KZVB eingeholt.

Zusammenfassung

Die Punktwerterhöhungen und die Steigerungen der Gesamtvergütungsobergrenzen bleiben in den aktuellen Vergütungsverträgen, anders als die Ergebnisse der Vorgänger der KZVB, erheblich unter den Steigerungen der Grundlohnsumme und damit unter den Erwartungen der Zahnärzteschaft.  

Durch mehrjährige Verträge liegen die Punktwerterhöhungen in Bayern auch in den kommenden Jahren unter der Steigerung der GLS. Dies ist angesichts der erheblichen Kostensteigerungen aufgrund der Covid-19 bedingten Anforderungen kein gutes Ergebnis.

Durch die mehrjährige Vertragslaufzeiten besteht auch keine Möglichkeit, die aktuell gestiegenen Kosten gegenüber den Krankenkassen geltend zu machen. Auch die Kosten durch die geänderte Vergütung der PAR Behandlungen können gesamtvertraglich nicht mit entsprechender Erhöhung der Gesamtvergütungsobergrenzen berücksichtigt werden.  Besonders nachteilig könnten sich die Vereinbarungen mit den Krankenkassen auswirken, bei denen eine geringere Anhebung der Gesamtvergütungsobergrenze als die Steigerung der Honorare vereinbart wurde.

Die im AOK Vertrag nicht in den Punktwerten integrierten pandemiebedingten Mehrkosten werden wegen Ausschluss einer Doppelfinanzierung zu einer Reduktion der von der Bundes KZV erreichten Coronazuschläge für bayerische Zahnärztinnen und Zahnärzten führen.    

Die KZVB ist vom Wege erfolgreicher Vertragsverhandlungen abgekommen.

Dr. Armin Walter

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