Covi 19 finanzielle Unterstützung

25/5/20
Praxisführung

Covid 19–finanziellen Hilfen für Zahnärztinnen und Zahnärzte

Apobank sieht keine hohen Risiken für Insolvenzen

Ein Gespräch mit Herrn Uwe Paul, dem neuen Direktor der Münchner Filiale der Deutschen Apotheker- und Ärztebank.

 

Zahnärzte sind von der Covid 19 Pandemie systemrelevant betroffen.

Einerseits waren sie verpflichtet, entsprechend des Sicherstellungsauftrages der vertragszahnärztlichen Versorgung ihre Praxen nicht zu schließen. Anderseits haben aber viele Patienten ihre Behandlungen abgesagt und nur in dringenden Notfällen die Praxen aufgesucht. Die meisten Kosten des Praxisbetriebs liefen in dieser Zeit unvermindert weiter. Die Möglichkeit, Personal in Kurzarbeit zu schicken, ist eine Erleichterung des Kostendrucks der Personalkosten. Allerdings ist eine Grundbesetzung der Praxis zur Aufrechterhaltung des Betriebs notwendig und die Frequenz der Patientenbehandlung ist im Voraus nicht abschätzbar, sodass ein Personalbestand anwesend sein muss, auch wenn tatsächlich gar kein Patient kommt.

Der Leistungsrückgang im April 2020 war enorm groß. Eine Umfrage von ZZB zeigte, dass – 60 % weniger Leistungen abgerechnet wurden als im Vorjahr. Dies wird zu erheblichen finanziellen Einbußen führen.  

Wie hilft die Politik den Zahnärzten?

Die Möglichkeit, Personal in Kurzarbeit zu schicken, ist eine tatsächliche Hilfe. Aufgrund der Gehälter in den unteren Einkommensgruppen werden viele Zahnärztinnen und Zahnärzte ihrem Personal die Differenzen zwischen Gehalt und Kurzarbeitergeld aufstocken müssen.

Die Hilfen des Freistaats Bayern greifen erst, wenn die Liquidität der Praxis nicht mehr gewährleistet ist. Diese Hilfe greift nicht,die ausgefallen Umsätze wegen der Corona-Pandemie zu Lindern.  

Die als „Rettungsschirm“ propagierte Verordnung des Bundesministeriums für Gesundheit vom 4.5. 2020 entpuppt sich mit dem Wort„Liquiditätshilfe“ als ein zinsloses Darlehen der Krankenkassen, welches in den kommenden Jahren vollständig zurückgezahlt werden muss.  

Deshalb nun die Fragen, wie die Apotheker und Ärztebank bei fnanziellen Problemen helfen kann.  

Frage: Dr. Walter

Was tut die Apotheker und Ärztebank für die Zahnärztinnen und Zahnärzte?

Antwort: Herr Paul:

Als Standesbank der Heilberufe bieten wir fachkundige Beratung für die Berufsausübung an, von der Gründung bis zur Abgabe einer Praxis. Mit UNIVIVA haben wir eine webbasierte Plattform eingerichtet für die gezielte Auswahl angebotener Fortbildungsveranstaltungen.  

www.univiva.de/sign-up-affiliate?referrer=Muenchen

Und natürlich stehen unseren Kunden qualifizierte Mitarbeiter für die gesamte Palette finanzieller Dienstleistungen zur Verfügung - von Finanzierung der Praxen und Immobilien bis zu Beratung und Betreuung von Vermögensanlagen.    

Wir sehen aktuell die durch die Corona – Pandemie verursachten Probleme der Ärzte,Apotheker und Zahnärzte sehr genau und können zielorientiert helfen. So haben wir die Kreditlinien auf Kontokorrentkonten bei sehr vielen unserer Kunden um 50.000€ angehoben. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Kontokorrentrahmen von bisher 50.000€ auf 100.000 € angehoben wird. Diese Maßnahme ist zunächst bis Ende September 2020 befristet. Wenn dann weiter Bedarf bestehen sollte, werden wir entweder als Bank gesamthaft handeln oder aber es können vor Ort individuelle Lösungen besprochen werden.

Deutschlandweit stellen wir so den Heilberufen ca. knapp 1 Milliarde Euro als Liquiditätshilfe unbürokratisch zur Verfügung.  

Frage: Dr. Walter

Erfolgt das automatisch oder auf Antrag?

Antwort: Herr Paul

Die Anhebung der Kontokorrentrahmen bei ca. 17.000 unserer Kunden wurde automatisch vorgenommen.

Frage: Dr. Walter

Mit welchem Zinssatz werden diese Kontokorrentdarlehen berechnet?

Antwort: Herr Paul:

Die Zinssätze für Kontokorrentkredite können kundenindividuell unterschiedlich sein. Die Höhe kann bei den jeweiligen Beratern angefragt werden.

Frage: Dr. Walter

Was raten Sie, wenn das Geld nicht nur kurzfristig gebraucht wird, sondern übereinen gewissen Zeitraum die Liquidität der Praxis erhalten muss?

Antwort: Herr Paul:

Ich hoffe, dass die Belastungen durch die Corona- Pandemie bald wieder vorüber sein werden. Wenn aber finanzielle Mittel nicht nur kurzfristig benötigt werden,bieten wir den Zahnärzten lösungsorientierte Beratung und ein zusätzliches Kreditangebot an.

Gerne unterstützen wir Sie in der aktuell schwierigen Situation. Wichtig ist es jetzt, strategisch, besonnen und langfristig eine nachhaltige Lösung aufzustellen, die auch ausreicht, wenn die Krise sich länger als erwartet hinziehen wird.

Hier empfiehlt sich immer die Einschaltung Ihres Beraters oder Ihrer Beraterin, ggf. auch in Verbindung mit Ihrem Steuerberater.

Wir möchten Ihnen nachfolgend die Möglichkeiten darstellen in welcher Form eine Finanzierung von Betriebsmitteln (neben dem Kontokorrentkredit, der nur für kurzfristige Spitzen in der Inanspruchnahme sinnvoll ist) aktuell möglich ist.

1.
Darlehen der apoBank
Betrag von TE 25 bis TE 250
Laufzeit 1 Jahr, tilgungsfrei
Zinssatz variabel 2,90 %
jederzeitige Rückführung - auch in Teilbeträgen - möglich
Darlehen wird in einer Summe ausgezahlt

Prolongation oder Umschuldung möglich

2.
Inanspruchnahme öffentlicher Mittel, entweder von der KfW oder den regionalen öffentlichen Förderinstituten. Hier können die Laufzeiten und Verzinsungen bedarfs- und risikogerecht im persönlichen Gespräch mit dem Berater oder der Beraterin ermittelt werden. Die Zinssätze bewegen sich in aller Regel zwischen 1% und 1,5%, die Laufzeiten zwischen in der Regel zwischen 2 und 10 Jahren.


Zusätzlich möchten wir Sie noch auffolgendes hinweisen :

1. Kurzarbeit
https://www.arbeitsagentur.de/news/corona-virus-informationen-fuer-unternehmen-zum-kurzarbeitergeld

2. Steuerstundungen bzw. Reduzierungen der Vorauszahlungen

3. Soforthilfe
https://www.stmwi.bayern.de/soforthilfe-corona/

Der erste Schritt sollte nun die Kontaktaufnahme zu Ihrem Steuerberater sein. Er kann Sie zu den erst genannten Themen beraten und unterstützen. Darüber hinaus wird er für Sie und uns eine Planung erstellen, die die gesamten Auswirkungen der Krise berücksichtigt.

 

Frage: Dr. Walter

Wie schätzen Sie die finanzielle Situation der Zahnarztpraxen ein? Drohen vermehrt Insolvenzen?  

Antwort: Herr Paul:

Glücklicherweise sind die allermeisten zahnärztlichen Praxen finanziell grundsolide aufgestellt, so dass wir keine nennenswert erhöhte Gefahr drohender Insolvenzen sehen.

 

Frage: Dr. Walter

Was können Sie als Apotheker und Ärztebank noch für die Zahnärztinnen und Zahnärzte tun?

Antwort: Herr Paul:

Neben den bereits genannten finanziell-materiellen Unterstützungsmaßnahmen stehen wir Ihnen natürlich mit all unseren sehr gut qualifizierten Beraterinnen und Beratern für eine individuelle Beratung zur Seite. Darüber hinaus haben wir eine Vielzahl von Netzwerkpartnern, wie zum Beispiel Steuerberater, Rechtsanwälte,Marketingfachleute, Praxisoptimierer etc. , mit denen wir seit vielen Jahren erfolgreich zum Wohle unserer Kunden zusammenarbeiten. Hier stellen wir gerne Kontakte her.

Lassen Sie mich zum Schluss noch sagen, dass wir hier alle sehr guter Dinge sind, die Krise gemeinsam zumeistern. Eine Empfehlung noch: Beginnen Sie bereits jetzt, sich Gedanken übereine Zeit „nach der Krise“ zu machen. Das beinhaltet Themen wie: Hygieneschutzmaßnahmen, Mitarbeiter- und Patientenschutz, Kommunikation (z.B. auf der eigenen Website) darüber, damit die Patienten mit einem guten Gefühl in die Praxis (zurück-) kommen.Da zusätzliche Kreditaufnahme zur Behebung von Liquiditätslücken durch Tilgung in der Zukunft auch dort die zur Verfügung stehende Liquidität mindert, sollte man sich auch Gedanken um Praxis- und Ablaufoptimierung etc. machen, um diese Liquiditätslücke zu kompensieren.

 

Sehr geehrter Herr Paul, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Leistung der Münchner Filiale der Deutschen Apotheker- und Ärztebank.

Für die finanziellen Einbußen durch die Pandemie werden die Zahnärzte letztlich keine Hilfen bekommen, so wie es gegenwärtig aussieht. Für den Erhalt der Liquidität stellen Banken finanzielle Mittel zur Verfügung, die über den bisherigen Rahmen hinausgehen.  

 

Dr. Armin Walter

Related Posts

Praxisführung
Einbruch zahnärztlicher Leistungen in Bayern  
Kommentare zur Frage " .Halten Sie staatliche Finanzhilfen für Zahnarztpraxen für notwendig: - Jahr 2019 war das beste. es würde reichen wenn der Staat auf die Zuzahlung der Einkommenssteuer gegenüber 2018 verzichten würde. Dann bräuchte man kein zusätzliches Almosen mehr. Die Nachzahlung der Steuer für das Jahr 2019 kann man dann für das stopfen der Löcher im diesem Jahr 2020 verwenden. Notwendig halte ich es für solche, die es aufgrund ihrer Praxiszahlen wirklich brauchen (unter strenger Berücksichtigung ihrer privaten Notwendigkeiten und der vorhandenen Praxisrücklagen!). Einen Ausgleich für entgangenen Umsatz wäre nur recht und gerecht - wenn man sieht, wer so alles wie unterstützt wird!!! Nur für Neugründung, max bis 5 Jahre nach Start. D Wenn KUG umgesetzt wird, dann keine weitere Maßnahme notwendig. Dann aber Konsequenzen wie Entlassungen erforderlich. Eine Hygieneausgleich ist absolut erforderlich. Eventuell ja, aber nicht mit der Gießkanne. Ja, aber was hilft eine Antragsfrist für die staatliche Hilfe bis Ende Mai 2020, wenn die Folgen erst im 3. + 4. Quartal sichtbar werden. Und die versprochene Auszahlung von 90% des Vorjahresumsatzes (was würde da eigentlich alles mit einbezogen, nur KCH?) wäre ja mittlerweile auch nur noch ein Kredit... Zudem denke ich, wird die Bereitschaft der Patienten für Zuzahlungen/kostenintensiver ZE wg. Angst vor Arbeitslosigkeit sinken... Führen Sie die Befragung mal am Ende des Jahres oder Anfang nächstes Jahr durch. Dann werden die Probleme richtig kommen. Nicht in der Form wie jetzt - Konjukturprogramm - höhere Zuzahlungen für PZR / ZE als Nachfrageanreiz wäre sinnvoll! Ja, aber nicht nur für März- Mai, denn das dicke Ende kommt noch, weil die Patienten kein Geld mehr für Zuzahlungen oder ZE haben. Es wurden schon Planungstermine für den Herbst storniert. Aufhebung des Budgets für Ärzte und Zahnärzte!!!! Ich bin selbständiger Unternehmer und kein Bettler. Wer nicht damit umgehen kann soll sich verbeamten lassen oder Landwirt werden. Steuersenkungen Wenn notwendig natürlich! Viel besser wäre es die übertrieben Einschränkungen und die Panikmache in der Bevölkerung zu reduzieren. Wenn Hilfen, dann so dass ein Mindesteinkommen auch gesichert ist. Sogar mit Hartz4 bekommt eine Sozialhilfe, Zahnärzte bekommen nur ein Teil der Fixkosten und Gehälter ersetzt, wie sie aber privat auch überleben scheint niemanden zu interessieren. Wenn es dann kein Kurzarbeitergeld mehr gibt, will ich lieber keine anderen Beilhilfen nicht als Kredit Es tritt ja erst rückwirkend der befürchtete finanzielle Engpass ein (nach einem Quartal ist abzuschätzen in wieweit). Zur Sicherheit der Liquidität sollten Gelder ausbezahlt werden (z. B. eine Corona-Soforthilfe für Zahnärzte) die im Nachhinein, wenn keine Verschuldung stattfindet, zurückbezahlt werden. Außerdem werden aufgrund der Krise dieses Jahr die Patientenzahlen weiter drastisch zurückgehen. Bis ins 4. Quartal wird kein "Normalbetrieb" in der Zahnarztpraxis aufrechterhalten werden können. Punktwertanhebung in der GOZ wäre deutlich sinnvoller und würde uns viel mehr helfen, als Finanzhilfen mit Auflagen. Ein Erhöhung des Punktwertes im Bereich der GKV im allgemeinen 5% ( Inflation) und zusätzlich um 10% z.B. für einen bestimmten Zeitraum ( nach dem Modell MWST in der Gastronomie) wäre denkbar!. geringere Ablehnungspolitik der PKV bei eingereichten Behandlungsplänen. Anhebung der GOZ in allen Bereichen. Anpassung an die tatsächlichen Kosten und zusätzlich wegen der erhöhten Hygienemaßnahmen. Diese werden auch nach Corona bestehen bleiben! Eindeutige Zusage, daß wir Kurzarbeitergeld für unsere Mitarbeiterinnen bekommen Wenn wir ordentliche Honorare bekommen würden bräuchten wir keine Zuschüsse! Lieber vernünftige Honorare! Dann braucht es auch keine Zuschüsse Es kommt die Vermögensabgabe. Vorschlag: Doppelte Vorstandsvergütung für KZVB- Vorstand wegen Überlastung. Fragen 3 - 10 und 12 können derzeit aufgrund der noch fehlenden BWA 04/2020 nicht aussagekräftig beantwortet werden. wo bleibt der ausgleich der immens gestiegenen hygienekosten bei de gkv? entlastung bei den immensen und sinnlosen kosten für validierungen, dokupflichten, ti, qm etcpp.? 4 Wochen praxis fast total Ausfall ist nicht aufholbar. Ausgaben 35Teuro laufende Kosten. Apobank Nbg. lässt keine Tilgung aussetzen zu, kein öffentliches Darlehen, will Bereitstellungskredit auf Abruf. Allgemein: dauerhafte Reduzierung des Einkommenssteuersatzes und der Ärzteversorgungsbeiträge für Mediziner Was sollen diese? Ein gewisses Risiko als Selbstständiger ist sozusagen systemimmanent. Nach ein paar Wochen nach Mutti zu rufen, ist armselig. Der Umgang und die Bewertung der Krise ist unausgewogen Nicht durchsetzbar ich halte Honorarerhöhungen seitens der PKV für schon längst überfällig und seitens der GKV für angebracht
Dr. Alois Stiegelmayr
20/5/2020

Anmeldung zum Newsletter

Danke für das Abonnieren unseres Newsletters! Bitte sehen Sie in Ihr E-Mail Postfach und klicken Sie dort auf den Bestätigungslink!

Oh! Da ist etwas schiefgelaufen bei der Anmeldung!

Adresse

Zukunft Zahnärzte Bayern e. V.
Geschäftsstelle
Ehrwalder Str. 2
81377 München

Kontakt

Telefon: +49 89 754272
Telefax: +49 89 7595267
E-Mail: info@zzb-online.de