Erneut Datenpannen entdeckt  - Sind die Patientendaten der ePA sicher?

22/3/21
Praxisführung

Sind die Patientendaten der ePA sicher?

Und schon wieder ist eine Datenpanne im Gesundheitsbereich aufgetreten: Der Bericht über 136.000 im Internet freieinsehbare Corona-Impfdaten ging breit durch die Medien. Entdeckt wurde das Datenleck durch IT-Experten des Chaos Computer Clubs(CCC). Zu sehen waren u.a. Name, Adresse und Ergebnisse von Schnelltest. Auch wenn das Leck schnell gestopft werden konnte, zeigt es den mangelnden Datenschutz und die Unsicherheit digitaler Datensammlungen auf. Nun mag sich der persönliche Schaden in diesem Fall noch in Grenzen halten. Anders sieht es dann bei relevanteren Krankheitsdaten aus. Aber wird ansonsten mit der notwendigen Sorgfalt vorgegangen?

Das Bundesgesundheitsministerium forciert die Anwendung digitaler Gesundheitsanwendungen. Velibra war eine der ersten bei den digitalen Gesundheitsanwendungen, sie betrifft Patienten mit Angststörungen. Nach Recherchen von Julian Olk (Handelsblatt vom 12.10.2020) bestehen auch hiergravierende Sicherheitslücken, die die Sicherheitsexperten André Zilch und Martin Tschirsich, vom Chaos Computer Club (CCC)festgestellt haben. Damit wäre über die E-Mail-Adressen feststellbar gewesen, wer sich wegen Angststörung in psychotherapeutischer Behandlung befindet. Wie konnte das passieren? Gab es kein Prüfverfahren für die App? Nach Information des Handelsblattes verwies das Bundesgesundheitsministerium auf das mit der Prüfung beauftragte Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Dort prüfe man die Herstellerangaben - wie vom Gesetzgeber vorgegeben - "auf Plausibilität". Mehr aber nicht. Man überlässt die Datensicherheit also der Industrie. Sieht so ein verantwortungsvoller Umgang mit Patientendaten aus?

Diese Naivität verwundert umso mehr, als dies nicht der erste Datenskandal mit Veröffentlichung von Patientendaten gewesen ist.

Durch die Medien ging ebenfalls ein Bericht aus Finnland, hier sind kriminelle Hacker an psychotherapeutische Behandlungsdaten gelangt, haben Patienten erpresst und die Daten teilweise veröffentlicht. Nach Recherchen des Spiegels vom 27.10.2020 handelt es sich um Notizen aus Therapiesitzungen von mindestens 2000 Patienten.

Diese Vorgänge werfen verschiedene Fragen auf:

·        Wie ernst ist dem Bundesgesundheitsminister tatsächlich mit der Datensicherheit?

·        Kann eine zentrale Sammlung aller Patientendaten überhaupt sicher sein?

·        Wer übernimmt die Haftung bei Pannen? Die Gematik soll wohl nicht zur Verantwortung gezogen werden können, bleibt die Haftung also bei den Zahn-/Ärzten?

·        Ist es vertretbar, Daten in die ePA einzugeben, wohl wissend, dass die Schweigepflicht damit nicht mehr sichergestellt ist?

·        Muss man als Zahn-/Arzt nicht jedem Patienten abraten, die ePA und andere digitale Apps zu nutzen, wenn er das Risiko des Bekanntwerden seiner Daten nicht eingehen will?

Darüber hinaus ist folgendes zu bedenken:

Bislang zeichnet sich ab, dass die Zahn-/Ärzte nicht nur die Daten eingeben, sondern auch die Patienten bei der Nutzung der ePA unterstützen sollen. Vor allem die älteren Patienten, die weniger digitalaffin sind. Eine Vergütung für diesen Aufwand ist nicht vorgesehen, da die Vorteile der ePA per se diesen Aufwand ja leicht aufwiegen würden.

·        In der ePA sollen alle Gesundheitsdaten gesammelt werden. Jeder stellt also das ein, was er gerade hat. Das wird eine ungeordnete Sammlung. Aus haftungsrechtlichen Gründen muss man sich aber alles durchlesen. Auch dieser Aufwand wird nicht vergütet.

·        Da der Patient, jedenfalls irgendwann einmal, die Daten selektiv sperren kann, bleibt gar nichts anderes übrig, als seine eigene Anamnese und ggf. eigene Untersuchungen wie bisher durchzuführen. Es ergibt sich also kaum ein Gewinn.

·        Speziell in der Zahnheilkunde ist bei den meist langjährigen Patienten die Kenntnis dessen, was man einem Zahn, dem Gebiss, der Muskulatur etc. bei der Versorgungsplanung unter Berücksichtigung der Compliance des Patienten zutrauen kann, aus einer Behandlungsakte nicht zu entnehmen. Hierauf kommt es aber bei einer individuellen Patientenbetreuung nach meiner Erfahrung an, um langfristig erfolgreich zu sein.

Aus den genannten Gründen halte ich es für erforderlich, das Projekt dieser ePA, das ohne den zahn-/ärztlichen Sachverstand geplant wurde, sofort zu stoppen. Jede Fortführung verschwendet Versichertengelder, die in der Patientenversorgung besser eingesetzt wären.

Prof. Dr. Dr. E. Fischer-Brandies

PS: Digitalisierung ja, aber ohne zentrale Datenspeicherung und unter Einbeziehung des zahn-/ärztlichen Sachverstandes.

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Kommentare zur Frage " .Halten Sie staatliche Finanzhilfen für Zahnarztpraxen für notwendig: - Jahr 2019 war das beste. es würde reichen wenn der Staat auf die Zuzahlung der Einkommenssteuer gegenüber 2018 verzichten würde. Dann bräuchte man kein zusätzliches Almosen mehr. Die Nachzahlung der Steuer für das Jahr 2019 kann man dann für das stopfen der Löcher im diesem Jahr 2020 verwenden. Notwendig halte ich es für solche, die es aufgrund ihrer Praxiszahlen wirklich brauchen (unter strenger Berücksichtigung ihrer privaten Notwendigkeiten und der vorhandenen Praxisrücklagen!). Einen Ausgleich für entgangenen Umsatz wäre nur recht und gerecht - wenn man sieht, wer so alles wie unterstützt wird!!! Nur für Neugründung, max bis 5 Jahre nach Start. D Wenn KUG umgesetzt wird, dann keine weitere Maßnahme notwendig. Dann aber Konsequenzen wie Entlassungen erforderlich. Eine Hygieneausgleich ist absolut erforderlich. Eventuell ja, aber nicht mit der Gießkanne. Ja, aber was hilft eine Antragsfrist für die staatliche Hilfe bis Ende Mai 2020, wenn die Folgen erst im 3. + 4. Quartal sichtbar werden. Und die versprochene Auszahlung von 90% des Vorjahresumsatzes (was würde da eigentlich alles mit einbezogen, nur KCH?) wäre ja mittlerweile auch nur noch ein Kredit... Zudem denke ich, wird die Bereitschaft der Patienten für Zuzahlungen/kostenintensiver ZE wg. Angst vor Arbeitslosigkeit sinken... Führen Sie die Befragung mal am Ende des Jahres oder Anfang nächstes Jahr durch. Dann werden die Probleme richtig kommen. Nicht in der Form wie jetzt - Konjukturprogramm - höhere Zuzahlungen für PZR / ZE als Nachfrageanreiz wäre sinnvoll! Ja, aber nicht nur für März- Mai, denn das dicke Ende kommt noch, weil die Patienten kein Geld mehr für Zuzahlungen oder ZE haben. Es wurden schon Planungstermine für den Herbst storniert. Aufhebung des Budgets für Ärzte und Zahnärzte!!!! Ich bin selbständiger Unternehmer und kein Bettler. Wer nicht damit umgehen kann soll sich verbeamten lassen oder Landwirt werden. Steuersenkungen Wenn notwendig natürlich! Viel besser wäre es die übertrieben Einschränkungen und die Panikmache in der Bevölkerung zu reduzieren. Wenn Hilfen, dann so dass ein Mindesteinkommen auch gesichert ist. Sogar mit Hartz4 bekommt eine Sozialhilfe, Zahnärzte bekommen nur ein Teil der Fixkosten und Gehälter ersetzt, wie sie aber privat auch überleben scheint niemanden zu interessieren. Wenn es dann kein Kurzarbeitergeld mehr gibt, will ich lieber keine anderen Beilhilfen nicht als Kredit Es tritt ja erst rückwirkend der befürchtete finanzielle Engpass ein (nach einem Quartal ist abzuschätzen in wieweit). Zur Sicherheit der Liquidität sollten Gelder ausbezahlt werden (z. B. eine Corona-Soforthilfe für Zahnärzte) die im Nachhinein, wenn keine Verschuldung stattfindet, zurückbezahlt werden. Außerdem werden aufgrund der Krise dieses Jahr die Patientenzahlen weiter drastisch zurückgehen. Bis ins 4. Quartal wird kein "Normalbetrieb" in der Zahnarztpraxis aufrechterhalten werden können. Punktwertanhebung in der GOZ wäre deutlich sinnvoller und würde uns viel mehr helfen, als Finanzhilfen mit Auflagen. Ein Erhöhung des Punktwertes im Bereich der GKV im allgemeinen 5% ( Inflation) und zusätzlich um 10% z.B. für einen bestimmten Zeitraum ( nach dem Modell MWST in der Gastronomie) wäre denkbar!. geringere Ablehnungspolitik der PKV bei eingereichten Behandlungsplänen. Anhebung der GOZ in allen Bereichen. Anpassung an die tatsächlichen Kosten und zusätzlich wegen der erhöhten Hygienemaßnahmen. Diese werden auch nach Corona bestehen bleiben! Eindeutige Zusage, daß wir Kurzarbeitergeld für unsere Mitarbeiterinnen bekommen Wenn wir ordentliche Honorare bekommen würden bräuchten wir keine Zuschüsse! Lieber vernünftige Honorare! Dann braucht es auch keine Zuschüsse Es kommt die Vermögensabgabe. Vorschlag: Doppelte Vorstandsvergütung für KZVB- Vorstand wegen Überlastung. Fragen 3 - 10 und 12 können derzeit aufgrund der noch fehlenden BWA 04/2020 nicht aussagekräftig beantwortet werden. wo bleibt der ausgleich der immens gestiegenen hygienekosten bei de gkv? entlastung bei den immensen und sinnlosen kosten für validierungen, dokupflichten, ti, qm etcpp.? 4 Wochen praxis fast total Ausfall ist nicht aufholbar. Ausgaben 35Teuro laufende Kosten. Apobank Nbg. lässt keine Tilgung aussetzen zu, kein öffentliches Darlehen, will Bereitstellungskredit auf Abruf. Allgemein: dauerhafte Reduzierung des Einkommenssteuersatzes und der Ärzteversorgungsbeiträge für Mediziner Was sollen diese? Ein gewisses Risiko als Selbstständiger ist sozusagen systemimmanent. Nach ein paar Wochen nach Mutti zu rufen, ist armselig. Der Umgang und die Bewertung der Krise ist unausgewogen Nicht durchsetzbar ich halte Honorarerhöhungen seitens der PKV für schon längst überfällig und seitens der GKV für angebracht
Dr. Alois Stiegelmayr
20/5/2020

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